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Mkono Mkononi - "Hand in Hand" heißt die jüngste CD des Missio-Chores: Hand in Hand gehen die afrikanischen Melodien mit den oft so mitreißenden Rhythmen der Trommler.

Hand in Hand geht die afrikanische Musik oft auch mit Schwerkranken, die sich daran laben wie an einem köstlichen Mahl. Musik kann Leben beeinflussen, Kraft spenden, zum eigenen Inneren führen. Hand in Hand geht auch die Integration in Missio-Chor und Trommelhaus-Ensemble bei ihren gemeinsamen Auftritten: Afrikaner singen mit Europäern, und auch die Deutschen spielen afrikanische Percussionmusik. Diese Rhythmen bewegen. Viele Menschen in den afrikanisch gestalteten Gottesdiensten wiegen ihre Körper in den Klängen. Bewegung kommt auch ins Miteinander, denn immer spielen die Musiker Geld für soziale Projekte ein, meist für afrikanische. Sie selbst verdienen daran nichts.

Chor und Percussionisten bewegen sich damit genau im Geist von Pfingsten, denn mit dem Pfingstfest verbindet die christliche Lehre ja die Aussendung des Heiligen Geistes, um Wort und Wirken Jesu Christi lebendig zu halten. Dass Pfingsten für manche Menschen auch ein Fest der Familie ist, schafft weitere Parallelen zum Missio-Chor, denn die Gottesdienste und Benefizkonzerte begeistern und werden fast immer zum großen Familienfest in der Kirche, in der manch einer schon mal anfängt zu tanzen, fast immer aber alle mitklatschen, wenn die erste Scheu europäischer Zurückhaltung überwunden ist.
Dem Anlass angemessen, können afrikanische Lieder natürlich auch leise zum Frieden mahnen oder ausdrucksstark Trauer begleiten. Afrika lebt viel emotionaler und bunter als Europa. "Die Menschen haben die Gabe, sich des Lebens zu freuen, auch wenn sie ein normales, von vielen Schwierigkeiten gezeichnetes Leben führen", berichtet Chorleiterin Dr. Renate Geiser. So sind auch die traditionellen Gewänder meist sehr farbenprächtig. 

Musik gehört in Afrika zu allen Lebenslagen: Egal, ob die Menschen fröhlich sind oder traurig; Musik ist Lebenselixier und passt sowieso in den Gottesdienst, der gefeiert wird wie hierzulande eine Hochzeit mit lieben Freunden: fröhlich und voller emotionaler Hingabe.

Dr. Geiser hört sehr oft, dass die Menschen fasziniert sind von der Lebensfreude, die in der afrikanischen Musik liegt. Beeindruckt von dieser Kultur hatte die Ärztin selbst auf ihren Reisen in den weiten Kontinent zuerst in Gottesdiensten in Tansania die Lebenskraft erfahren, die in deren musikalischer Gestaltung steckt: "Das bringt in einem selber etwas zum Schwingen. Es bewirkt ein Sich-Verwurzelt-Fühlen, ein selbstverständliches Angenommen- und Verbundensein: Ich bin Teil des Ganzen."
Und genau das passiert nun auch hier in den Gottesdiensten. Dass die Texte der Lieder in Kiswahili (Landessprache in Tansania, Kenia), in Lingala (Kongo), Twi (Ghana), Efik (Nigeria), Kotocolí (Togo), in Zulu, Shona, Xhosa (Südafrika) oder anderen Landessprachen gesungen werden, stört so wenig, dass das Publikum kaum merkt, wenn dazwischen ein deutscher Text die afrikanischen Rhythmen untermalt: "Komm zu uns, heiliger Geist, du, der du Tröster heißt. Lehre uns die Macht des Himmels, ... komm zu uns, njoo, njoo, njoo, Roho Mwema (Kiswahili). Die meisten Lieder stammen aus Ost- und Westafrika. "Die Westafrikaner - zum Beispiel Ghanesen und Nigerianer - sind die ,Italiener' Afrikas: temperamentvolle, sich gerne präsentierende Menschen, die übrigens auch ganz gepfefferte Speisen haben", erläutert Dr. Geiser. So temperamentvoll ist auch ihre Musik, während tansanische Melodien eher ruhig erklingen.

Auch muslimische Gebete singt der Chor; Dorflieder gehören zum Repertoire bei Benefizkonzerten.

Der Chor schöpft aus dem Fundus des Traditionellen: Meist sind es afrikanische Freunde, von denen Dr. Geiser die einheimischen Volksweisen lernt. Nicht gerade einfach ist das Niederschreiben dieser Rhythmen und Melodien in die europäische Notenschreibweise. Die nebenamtliche Kirchenmusikerin allerdings schreibt gleich noch einen vierstimmigen Satz dazu und freut sich unbändig, wenn auch fremde Afrikaner die Lieder erkennen und die Texte verstehen. Lieder und Noten schicken sich Afrika-Freunde aber auch weltweit übers Internet zu.
Das Echo ist groß, wenn der Chor seinen Lob- und Preisliedern Rhythmus und oft noch viel Schwung gibt - wenn er das Lebenselixier Musik in die betende Gemeinde einbringt. "Da preist mein Herz Gott ganz anders", sagt eine ältere Gottesdienstbesucherin. Kein Wunder also, dass sich auch Angehörige kranker Patienten von der Musik tragen und trösten lassen. Manche kaufen in der Missio-Klinik eine CD, wenn sie gerade vom Krankenbesuch kommen, und hören sie im Auto lange an, bevor sie wieder in den Alltag zurückkehren. Dr. Geiser berichtet schließlich von einem schwer kranken Mann, der sich über den Tod hinaus die afrikanischen Lieder gewünscht hat, die ihn so sehr begleitet und bereichert haben: Auf seiner Beerdigung sollte der Missio-Chor singen. Die Sänger erfüllten seinen Wunsch.

Der Missio-Chor besteht seit 18 Jahren, zunächst als Chor der Missio-Klinik für Weihnachtsfeiern. Dank des Kontaktes zu Pjotr Steinhagen und dem Trommelhaus-Ensemble konnte er dann auch afrikanische Lieder singen, was nahe lag, weil Ärzte, Schwestern und Pfleger häufig in Afrika Dienst tun oder sich umgekehrt Afrikaner hierzulande fortbilden. Von nun an gestaltete der Chor Gottesdienste mit afrikanischer Musik. Die Anfragen häuften sich.

Alle Konzerte sind Benefizkonzerte, die je nach Besuch zwischen 500 und manchmal sogar bis zu 5000 Euro einbringen. Gesammelt wird für Hilfsaktionen wie eine in Goma/Kongo Anfang 2002. Karmeliten-Pater Johannes - Mitglied im Missio-Chor - stammt von dort und setzte sich ein für die Opfer, die den Ausbruch des Nyiragongo-Vulkans überlebt hatten. Die Musiker unterstützen außerdem ein Infusionsprojekt in Tansania. Dabei werden dringend nötige Infusionslösungen vor Ort hergestellt. Eine Stiftung zur Ausbildung junger Frauen am Kilimandscharo/Tansania und die Gründung einer Basis-Krankenversicherung im Norden von Togo sind weitere aktuelle Projekte.

Regina Urbon
(Volksblatt, Stadt Würzburg, 07.06.2003)

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